Albanien - eine andere Welt

Shqipëria

Angekommen in einer anderen Welt. Schon der Weg von Montenegro zur Grenze hat uns auf die folgenden Straßenverhältnisse vorbereitet. Sollen wir umdrehen oder der „Nationalstraße“ folgen? Die Schlaglöcher werden meist nur kurz durch ein Stückchen Teerstraße unterbrochen. Aber mal im Ernst, die meisten Straßen sind noch im schlechten Zustand, lediglich die für den Transitverkehr gedachten Abschnitte sind recht gut befahrbar und werden anscheinend in rasanter Geschwindigkeit und mit einfachsten Mitteln ausgebaut.  Vorsicht ist jedoch bei Pfützen geboten. Die meisten sind harmlos einige sind jedoch reifentief oder es verbirgt sich ein großes Loch wo einst mal ein Gullydeckel lag. Dennoch beachtlich ist es dass der Verkehr trotz allen Hindernissen, fehlenden Fahrbahnbelag und chaotischen Stadtverkehr einfach läuft.  Gehupt wird eigentlich immer, ist aber nie böse gemeint sondern nur als „Vorsicht ich bin auch da“ gedacht.

Allgegenwärtig sind noch die „Einmann Bunker“. Hierzu ist eigentlich nur zu sagen dass dieses Land über Jahrzehnte hinweg hermetisch abgeriegelt war. Unter der kommunistischen Herrschaft ist das Verkehrsnetz kaum entwickelt worden. Allerdings wurde auch der Bedarf künstlich niedrig gehalten, denn Kraftfahrzeuge in Privatbesitz waren bis 1990 nicht gestattet. Seitdem jedoch eine neue Regierung an der Macht ist kommt so manches aus dem Westen in diese hierfür wohl nicht so recht geschaffene Welt. Beim Durchfahren des Landes findet man unzählige Schrottplätze. Meist findet man hier deutsche Fabrikate (schnell am „D“ Aufkleber oder den Deutschen Zoll- oder Kurzzeit-Kennzeichen zu erkennen). Das Lieblingsfahrzeug der Albaner scheint hier ebenso wie in Marokko der 123er Mercedes Diesel zu sein. Eigentlich überall sind sie zu finden aber auf die Nachfolgermodelle sind sehr beliebt. Für die Insider unter euch: wer wissen will wo all die MB 302 Omnibusse hingekommen sind…hier leben sie weiter. Als Personen Beförderungsmittel Nr. 1 ist er hier noch im Einsatz. Aber auch der sog. Düdo (der gleiche den wir haben, daher eher unauffällig hier) ist hier zu finden. Größter Unbeliebtheit scheinen sich hier die Balkantypischen Zastawas,  Moskwitsch, Yugos und Ladas zu erfreuen. Wenn man mal einen davon sieht dann im erbärmlichen Zustand. Im Montenegro wenigstens noch von Jugendlichen ohne Nummernschild genutzt scheint sie hier niemand zu wollen. Dafür findet man immer noch die berühmten Eselskarren auf der Straße. Zum Teil mit Baumaterial zum Teil mit den Einkäufen für die nächste Woche beladen.

Sowohl auf dem Land als auch in den Städten ist die hier herrschende Armut deutlich zu sehen.

Der Kontrast zwischen dem „modernen“ Westen und dem Land das erst seit ein paar Jahren dafür offen ist, ist überdeutlich. Hier wohnt der Ärmste direkt neben dem Hotel für die „Reichen“,  nur fünfzig Meter neben dem Meer (gesehen in Durrës, der größten Hafenstadt des Landes).  Hier wird mit viel Elan versucht dass vermeintlich  Verpasste aufzuholen. Unbedacht und in schlechter Qualität wird hier errichtet und errichtet was das Zeug hält. Und dass Schlimmste, eigentlich braucht es niemand. Hier sind neue Tankstellen und Restaurants zu finden, ungenutzt, noch gar nicht fertiggestellt und zum Teil auch ohne Zufahrt. Allgegenwärtig ist auch der Müll. Albanien ist das Land mit der höchsten Umweltverschmutzung in Europa. Leider überall wo Menschen sind, ist dieser zu finden. Hinterm Haus, im Straßengraben, Flüssen, oben, unten, überall, Plastikflaschen, Schrott einfach Alles. Für unsere Augen und Nasen, für unsere Ordnungsliebe zwar unvorstellbar aber hier ganz real. Viele der Müllcontainer  werden nicht unbedingt für ihren Bestimmungszweck verwandt, sondern in regelmäßigen Abständen in Brand gesetzt um den Müll zu beseitigen.

Beeindruckend sind die Berge, die in höheren Lagen meist noch mit Schnee bedeckt sind und die dahinter versteckten Dörfchen und Städte. Nach vielen Kilometern bergauf und bergab sind immer wieder Menschen in dieser für uns unwirtlichen Landschaft zu sehen. Schafe, Ziegen und Kühe sind immer wieder am Wegesrand oder auf der Straße zu finden, manchmal mit manchmal ohne den Besitzer. Große landwirtschaftlich genutzte Flächen findet man hier nicht obwohl fast 60 % der berufstätigen Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig ist. Jeder hat, wenn überhaupt etwas hat, ein Häuschen mit kleiner Anbaufläche zur Selbstversorgung. Das was übrigbleibt wird auf der Straße oder dem Markt angeboten.

  

April 2009