"Schurkenstaat" Griechenland

 

 

Vorwort

 

(Nachdem unser Computer beim Einbruch gestohlen wurde, waren nicht nur sehr viele Bilder sondern auch noch der Reisebericht von Griechenland weg. Wir haben versucht, das was uns begegnet, beschäftigt und bewegt hat nochmals zusammenzufassen. Da die Eindrücke und Erlebnisse jedoch nun schon einige Wochen zurückliegen ist es recht schwierig aber wir haben es nochmal versucht in Worte zu fassen)

 

Eine Bitte an euch alle. Wir brauchen, da unser Handy weg ist nochmal die aktuellen telefonnummern von euch... einfach kurz ne mail an uns. Danke schon mal.

Es ist kaum zu glauben wie sehr sich eine Landschaft in so kurzer Zeit verändern kann. Noch vor wenigen Minuten gab es schlichtweg keine großflächige Landwirtschaft und hier sehen wir riesige bewässerte Felder so weit das Auge reicht.  Die allgegenwärtigen kleinen  Kapellen am Straßenrand sind hier noch zahlreicher vertreten als in Mazedonien. Auch Hinweisschilder für archäologische, historische oder landschaftliche Sehenswürdigkeiten säumen den Wegrand. Einigen davon folgen wir und werden nicht so richtig fündig. Anderen wiederum hat es sich gelohnt zu folgen. Gekennzeichnet wird fast alles was irgendwie interessant sein „könnte“.

 Dass wir uns nun wieder in Europa befinden merken wir eigentlich nur an der Währung und den Preisen. Diese sind nach den letzten Wochen günstigen Kaffeetrinkens erschreckend hoch. Was wir hier an einem Tag ausgegeben haben  hätte uns in Mazedonien und Albanien für fast eine Woche ausgereicht.

Was uns zu Beginn schon Schwierigkeiten bereitet  ist die Sprache. Nicht nur die neugriechischen Buchstaben und das gesprochene Wort. Selbst mit den berühmten Händen und Füßen sind wir hier schnell am Ende.  Was sich aber auf der weiteren Reise noch ändern soll.

 

 

An einem Abend bestellen wir z.B. Rotwein, vino, red wine, vin du rouge usw.alles gesagt was es zu sagen gibt und bekommen dann heiße Schokolade mit Sahne. Is ja nicht weiter schlimm, solang man nicht, wenn man nur Eier möchte, das ganze Huhn bekommt. 

Nach schier endloser Fahrt in den griechischen Bergen mit Nebel, Regen teils Schnee, kommen wir in dem Bergdorf Konitsa an. Von hier aus kann man die Vikosschlucht und das Nationalparkgebiet durchwandern. Hier sind wir fast genauso überrascht über die deutsch sprechende Verkäuferin beim Bäcker wie sie über uns. Von ihr erfahren wir dann auch das die Bäckereien eigentlich nur morgens geöffnet haben. Und das wichtigste für uns, sie verrät und die „richtige Uhrzeit“ hier in Griechenland. Nachdem wir in den letzten Tagen so verschiedene Uhrzeiten auf unseren Uhren stehen hatte war das ein Segen. Nicht nur die Umstellung auf die Sommerzeit in Deutschland war hieran schuld. Auch unser Funkwecker hatte vermutlich Probleme mit der griechischen Zeitangabe.

Bei einer Wanderung in die Schlucht des Nationalparks kommen wir das erste Mal mit der griechisch orthodoxen Kirche in Kontakt. Wir besuchten hier ein altes Kloster hoch über dem Vikos. Ein einzelner alter Mönch lebt dort noch. Einen bleibenden Eindruck hinterließ die kleine Kapelle des Klosters. Hier schien die Zeit vor hunderten von Jahren  schon stehen geblieben zu sein. Nur mit Kerzen und Olivenöllampen  beschienen benötigten wir einige Minuten ihre Pracht im Inneren zu erkennen. Wie wir nachher beim griechischen Kaffee erfahren ist das Kloster nicht immer für Besucher geöffnet, weshalb wir uns über diese nette Begegnung umso mehr freuen.

 

 

Weiter geht die Fahrt in Richtung Meer. Die Küste entlang bis zur Insel Lefkada. Der Wind, unser ständiger Begleiter beginnt hier erst ab ca. 16 Uhr mit seiner Arbeit. Kaum hat er aufgefrischt schon sind Kyte-und Windsurfer  zu sehen die ihre Runden drehen. Ein sehr beeindruckender Sport.          Eigentlich wollten wir nur ein geeignetes Nachtlager für uns suchen und fahren dabei um die Insel herum, da steht mitten im Nichts ein älterer kräftig gebauter Herr am Straßenrand und möchte mitgenommen werden. Nach unseren Erfahrungen als Tramper  halten wir natürlich gleich an und bitten ihn ins Auto. Nachdem es dann geschafft war den Guten in unser doch etwas höheres Fahrzeug zu bugsieren geht die Fahrt weiter. Leider verstehen wir nicht viel und schon gar nicht wo er hin will… Aber nach einigen Kilometern, als wir ein winziges Bergdorf durchfahren bittet er uns anzuhalten und lädt uns auf einen Kaffe ein. Das Kafenion hat vermutlich bisher lediglich Einheimische bewirtet, denn als wir auftauchen, versteckt sich die Oma, die davor saß recht flink für ihr Alter hinter ihrem Mann und gibt nur noch verstört „da da da“ von sich. Im Laufe der Zeit wird sie dann aber doch recht neugierig und schaut einfach bildhübsch unter ihrem  Kopftuch hervor. (Leider haben wir von dieser Begegnung keine Bilder mehr.) So sitzen wir alle zusammen vor dem Häuschen, nippen an unseren griechischen Kaffees und genießen und nur wenige Worte verlassen unsere Lippen. Zum Abschied öffnet der Tramper dann noch seine stillgelegte Autowerkstatt und fragt ob wir „olio“ wollen. Es dauert etwas bis wir verstehen dass er uns kein Motoröl sondern Olivenöl mitgeben will. Am selben Abend noch genießen wir diese Kostbarkeit zusammen mit Brot und etwas kokino krassi = Rotwein, vino…..

 

 

 

Der nächste Halt ist Nafpaktos. Es ist wieder mal Zeit für die Wäsche uns so verbringen wir hier das Wochenende und laden zum Glück schon mal einige Bilder auf unsere Seite. Wir erkunden die Burg und genießen einen wunderbaren Blick rüber nach Patra auf der Pelepones. Von hier aus wollen wir nach Galaxidi weiterfahren. Wir hatten uns bereits in der kleinen Gemeinschaft zum Besuch angekündigt. Aber dass dieser Besuch so wichtig für uns sein wird ahnen wir bislang jedoch noch nicht.

Es ist Sonntag  und wir sind wieder  an der Küstenstraße unterwegs. Ein kleiner kurzer Spaziergang ans Meer und schon ist es passiert. Wir hatten Besuch… Leider keinen den man gerne hat. Es sah zunächst schlimmer aus als es war, aber man bekommt schon einen ganz schönen Schrecken wenn man merkt wie einfach es ist in den Lebensraum anderer einzudringen. Noch Tage zuvor hatten wir uns darüber unterhalten das die Dachluke der einzige Ort ist der zum einbrechen einlädt und wir an dieser Stelle eine Verstrebung nachrüsten müssen. Ja und schon ist es zu spät… aber zum Glück wurde nichts Wichtiges kaputt gemacht. Bei den gestohlenen Sachen ist es leider etwas ärgerlicher. Handy, Laptop (mit den Bildern der letzten drei Wochen, den Reiseberichten, sowie persönliche Unterlagen), die homöopathische Hausapotheke und ein wenig Kleinkram stehen uns nun nicht mehr zu Verfügung .  Aber zum Glück gibt’s ja die griechische Polizei, die Spurensicherung und Kostas, ein in Amerika lebender Grieche, den wir beim Hilfe holen entdeckt haben und ohne den wir die ganze Sache mit der Polizei gar nicht geregelt bekommen hätten. So hatten wir dann den Rest des Tages unseren Spaß und die nächsten Tage auch noch. Zum einen geschah der Einbruch genau zwischen zwei Polizeibezirken, sprich keiner fühlte sich richtig zuständig. Zum anderen war es Sonntag und danach auch noch die(heilige) Karwoche.

In Griechenland sagt man so schön „zigar zigar“-„gemach gemach“ denn hier ist jetzt erstmal Ostern angesagt. Eine Woche später als in Deutschland und somit wird aus der Räuberjagd natürlich nichts.  Dafür haben wir jetzt die Möglichkeit das griechisch – orthodoxe Osterfest mit zu erleben.

Der Besuch beim Dorfpolizisten persönlich und seinen zwei Gehilfen um unser Polizeiprotokoll abzuholen fand dann aber direkt am Ostermittwoch statt.

 


 

Noch ganz benommen von dem Vorfall fahren wir direkt nach Galaxidi um die Estia Nicolaos aufzusuchen. Die Estia ist eine kleine anthroposophische Lebensgemeinschaft, die eng mit der Lebensgemeinschaft Sassen verbunden ist.  Das Dorf besteht aus drei bewohnten Häusern, einer  Töpferei, Holzwerkstatt und Gartenwerkstatt, einem Saal…..Momentan leben hier drei Hauselternpaare mit 23 Menschen mit Behinderung und Praktikanten bzw. Zivildienstleistende. Außerdem  wuseln  zählbar zwei Hunde und mindestens vier Katzen umher. Nicht zählbar waren, zu Bastis Leidwesen,  die großen nachtaktiven Spinnen. Auch ein kleiner Skorpion hat unser Reich für sich entdeckt. Wir wurden von der ersten Stunde an herzlich aufgenommen, konnten telefonieren, das Internet benutzen und nach Wochen mal wieder heiß duschen.

Ein Traum! Aber nicht der einzige, den als wir den nächsten Mittag bei Familie Prange im Haus Elephtaria zum Mittagessen kamen duftete es schon von weitem. Mirella, die Köchin und Haushaltshilfe(ein wahrer Putzteufel)hatte gezaubert. Und das macht sie fünf Tage in der Woche. jemistá- gefüllte Tomaten und Paprika, patatés tou fournou-gebackene Kartoffeln, spanacópita-Spinatauflauf in Blätterteig, Pitá- Käse in Blätterteig, to psiári- den Fisch…um nur einige der Köstlichkeiten zu nennen. Boh Boh Boh

Um einen Überblick zu bekommen: Wir kamen am 12.April in Galaxidi an und verweilten an diesem wunderschönen Ort bis zum 4.Mai.

Die erste Woche war die Karwoche. Nach dem Frühstück gab es einen kleinen Kreis mit allen zusammen, die Werkstätten blieben geschlossen und es waren kleinere Ausflüge und viel Entspannung angesagt.

Ostern fand in Griechenland in der griechisch – orthodoxen Kirche eine Woche später als in Deutschland statt. Da wir nach dem Einbruch auf einige Unterlagen warten mussten, kamen wir in den Genuss das  größte  Fest des Jahres mitzuerleben.

Wir wurden bereits vorgewarnt, dass es in der griechischen Kirche etwas lebhafter zugeht als wir es aus den katholischen Gefilden kennen. Es herrscht hier eher eine Marktplatz-Atmosphäre mit einem ständigen Kommen und Gehen, lebhaften Unterhaltungen untereinander, im Gegensatz zu unserem streng sittlichen Stillschweigen. Um der modernen Technik auch hier in nichts nach zu stehen  ist das Telefonieren und SMS-schreiben auch nichts Außergewöhnliches. Selbst der Priester hatte im Laufe der Prozession das seine im Einsatz. Es waren auch erstaunlich viele junge Leute bei diesem kirchlichen Ereignis zugegen und mal auf einen Sprung in der Kirche. Im Laufe der Nacht wurde es dann jedoch immer ruhiger und feierlicher. Viele ältere Dorfbewohner bleiben die ganze Osternacht in der Kirche.

Die Stimmung ist eine Mischung aus Weihnachten, Ostern und Silvester. Die Auferstehung wird mit Silvesterknallern gefeiert und das anschließende Familienfest geht wohl bis in die Morgenstunden. Hier strahlt, wie bei uns die Weihnachtsbeleuchtung, die Ostergirlanden in jeder Gasse. Der nächste Tag wird dann dem Osterlamm gewidmet. Schon früh am Morgen wird mit Musik das Feuer für das Lamm am Spieß entfacht und mit dem Drehen begonnen. Über der Stadt war eine richtige Dunstwolke zu erkennen und aus allen Richtungen hörte man Musik. Auch in der Estia wurde eine festliche Tafel gedeckt und zusammen gefeiert. So hatten wir das Glück den höchsten Feiertag in Griechen ganz nah mitzuerleben.

In der zweiten Woche war wieder Werkstatt angesagt, wobei wir soviel kribbeln in den Fingern verspürt hatten, dass wir schon vorher kräftig gebaschtelt und getöpfert hatten. Das war wunderbar. Entstanden sind Tassen, Krüge und etliche Gipsformen. Außerdem habe ich Thomas Prange, der auch die Töpferwerkstatt leitet, hoffentlich den einen oder anderen hilfreichen Handgriff beibringen können. Baschti hat unendlich viel zu baschteln gefunden. Darunter auch die wohl längste Wäscheleine von ganz Griechenland. und und und… wir haben viele Geschichten gehört, viele erzählt und das Wichtigste es wurde viel zusammen gelacht.

Um die Gegend etwas einfacher erkundigen zu können oder auch nur mal eben eine Pita in der Stadt zu essen, gab es die „Mechanakis“ (ich hoffe ich habe es richtig geschrieben). Mopeds die bis zu

90 Km/h drauf bekommen und mit etwas Glück auch noch bremsen…

Damit ging es zusammen mit Christof dem ältesten Sohn der Familie Prange, zu der einen oder anderen Sehenswürdigkeit in und um Galaxidi. Auch von unseren Angelaktionen haben uns diese Maschinen immer wieder heile zurück gebracht.

Wir haben es hier zum ersten Mal geschafft was an die Angel zu bekommen. Und das gab es dann für die ganze Familie.Was wir dabei alles gelernt haben:

1.       Den Teil der Schnur mit den Haken immer vor dem Auswerfen an der Angelschnur befestigen

2.       Fischaugen sind bessere Köder als Brot, Würmer oder Pitafleisch…

3.       Geduld Geduld Geduld

4.       Und das wichtigste nie alleine Angeln gehen

5.       Proviant und

6.       Motivationüberlebenshumorverlustcarepaket  nicht vergessen

7.       Nicht darüber nachzudenken wie viel Schmerz ein Fisch verspüren könnte, dem der Haken im Auge steckt

8.       Von Mirella, wie man Fische ausnimmt und zubereitet

9.       Das Töten kann halbwegs übergangen werden, wenn man die Fisch im alten Wasser über Nacht stehen lässt .Fische können auch im Kühlschrank weiterleben.

10.   Wenn man ganz erledigt und enttäuscht dreinblickt bekommt man die Fische auch schon mal geschenkt

April - Mai 2009