Mazedonien

 

„Wieder im Westen“

 

Hier finde ich nun das was ich mir immer unter den Balkanstaaten vorgestellt hatte. Zurückgeblieben wäre das Falscheste was man hierzu sagen könnte. Es ist einfach und gemütlich. Selbst in den Städten geht es verhältnismäßig ruhig und gelassen zu. Sitzt man im Cafe und schaut sich die Leute an die auf der Straße unterwegs sind, ist man beeindruckt von der Verschiedenheit dieser. Von den alten Herren die sich hier treffen und schon von weitem das Gespräch beginnen über die Arbeiter die den Baumschnitt noch mit dem alten Traktor zum Brennplatz fahren, bis hin zu den schlendernden Jugendlichen in der Einkaufzone. Viele von ihnen bekreuzigen sich beim überqueren eines Platzes an dessen Seite ein Art Altar steht. Zunächst sah es von weitem aus wie ein Verkaufstand für die hier üblichen Ikonen, bei näherer Betrachtung jedoch schnell als orthodoxer „Bildstock“ zu erkennen. An sehr vielen Straßen und Wegen findet man hier kleine „Kapellen“ die zum Teil mehrere der verehrten Ikonen in sich tragen.

Am 1. April finden wir die Stadt Ohrid belebter als am Vortag. Auf einem großen Platz am Ende der Einkaufszone sind viele Kinder in Kostümen unterwegs. Verkleidet als Spiderman, Batman, Clown aber auch Rotkäppchen, Robin Hood oder Bienchen sind sie in Gruppen unterwegs, begleitet von Eltern und Erziehern. Man erklärt uns dass es sich um einen typischen Brauch am 1.April handelt (ob das ein Aprilscherz war?). Leider hatten wir genau in dem Moment mal wieder die Kamera nicht dabei…

 

Das Brot ist schrecklich styroporig aber dafür gibt es ja zum Glück Burek oder Börek in allen Variationen und der Kaffe ist einfach super. Lebensmittel, im besonderen Gemüse kostet hier sehr sehr wenig. Wenn man hier auf dem Markt unterwegs ist und seinen Einkauf gerade bezahlt, zieht sein Gegenüber meist einen beachtlichen Bündel Geld aus der Tasche um das Wechselgeld rauszugeben. Gezahlt wird in Denar (60 Denar entsprechen ca. 1 Euro). So ist es uns in diesen Tagen möglich einen Tag lang incl. Kaffe trinken gehen (da gibt´s ja auch immer ein stilles Örtchen) Börek essen und was sonst noch so anfällt mit 5-8 Euro auszukommen.

Die Balkantypischen Fahrzeuge werden hier noch gehegt und gepflegt. Der „moderne Westen“ ist hier zum Glück noch nicht so richtig angekommen. Oder er wird nicht angenommen!? Es gibt an den Bahnübergängen noch ein kleines Hüttchen mit einem Tisch einem Bett und zwei Stühlen. Wenn der Zug dann kommt steht ein älterer Mann bereit schließt und öffnet die Schranke noch von Hand. Ob er jemals von Bahnwärter Thiel gehört hat?

Immer wieder auf unserer Fahrt durch dieses schöne Land begegnen uns Schaf und Ziegenherden die begleitet von ihren Besitzern und den Hunden durch das Land ziehen. Auch hier ist die Landwirtschaft noch im Kleinen zu finden. Ackerbau auf großen Flächen konnten wir hier nicht entdecken. Dafür jedoch viele Menschen die noch mit dem Spaten die Erde bearbeiten und das anbauen was sie selbst auch verbrauchen.

Wir sind über die albanische Grenze in den süd-östlichen Teil Mazedoniens gekommen. Hier findet sich ein riesiges Naturschutzgebiet in den Bergen. Als bekannte Sehenswürdigkeit ist hier der Ohridsee zu nennen. Auf knapp 700 Metern liegt hier einer der ältesten (geschätzt auf 2-5 Millionen Jahre) und tiefsten See der Erde, mit glasklarem Wasser und einer interessanten Geschichte.

 

Beim umfahren des Sees stoßen wir auf ein sehr kleines aber sehr schönes Freilichtmuseum. Ein Dorf auf dem Wasser. Wohl aus der Bronzezeit wurden hier die Grundpfeiler (im wahrsten Sinne des Wortes) im Wasser entdeckt. Nach einiger Vermessungsarbeit und Archäologischen Untersuchungen wurde hier zwischen  Peštanti und Ljubaništa eines der vielen „Wasserdörfer“ rekonstruiert. Das wäre bestimmt was für die zu Hause gebliebenen „Verputzer“… Mit Lehm und geflochtenen Haselnussstöcken wurden hier die Hütten auf der Plattform auf Stelzen mit ihrer Inneneinrichtung für Touristen und Einheimische wieder aufgebaut und zugänglich gemacht. Der Eintritt hat eher Symbolische Ausmaße. Gelegen am Fuß der Berge und umgeben von blühenden Bäumen und Büschen ein recht schönes Bild.

Weiter soll uns der Weg über eine Passstraße durch den Nationalpark Galičica an den Prespasee führen. Leider klappt das nicht ganz so wie wir uns das vorgestellt haben. Zunächst lag hier doch so einiges an Geröll auf der ohnehin schmalen Straße. Zum Teil mit beachtlichen Größen. Ca. 300 Meter vor der Passhöhe war es dann aber vorbei. Die Reste des Winters sollten uns den Weg nicht freimachen. Trotz Schneeketten und Allrad war nach 100 Metern Schluss mir fahren. Dafür konnten wir jetzt mal wieder richtig schwitzen und Hand anlegen. Buddeln und die zum Teil ca. 10cm dicke Eisschicht wollte unter unseren Reifen entfern werden um den Weg zurück zu ebnen. Da die Straße leicht zum Abhang geneigt war rutschte unser Zuhause diesem immer näher. Aber nach etwa zwei Stunden Buddeln und Schnaufen war´s dann doch geschafft und wir hatten wieder festen Boden unter den Reifen.

Im Nachhinein viel zu schnell, ging es dann am nächsten Tag einen Teil der Strecke zurück. Da der Pass ja nicht befahrbar war mussten wir einen Umweg über Resen nach Bitola machen und den Prespasee auslassen. Von Bitola aus führte uns der Weg dann zum einzigen Grenzübergang im Süd-Osten. Nochmal den Tank vollmachen (bei Dieselpreisen von umgerechnet 70€ct) und leckere Oliven auf dem Markt kaufen und schon geht es nach Griechenland weiter. An dem Grenzübergang geht es wie bisher eigentlich immer ziemlich zügig voran. Die Zöllner schauen in den Bus und entdecken als erstes immer wieder unseren Ofen. Spätestens in diesem Moment ist eigentlich alles klar für die Weiterreise. Manchmal wird mit Händen und Füßen noch gefragt ob wir damit wirklich heizen und wenn wir dann die zum verheizen gesammelten Tannenzapfen zeigen ist meist ein breites Lächeln auf den sonst so mürrischen Gesichtern gekommen.

April 2009