Romania

Nach morgendlichem Nebel in Moldawien ging es an der Rumänischen Grenze richtig fix, denn nach nur zehn Minuten sind wir im Land. Wenn man kein Visa braucht ist Reisen soooo angenehm, dass man die Straßennutzungsgebühr von umgerechnet 22€ etwas leichter verschmerzt. Wir steuern jetzt die Hauptstadt an, denn hier wollen wir uns mich Mihai („this fuckin romanian man on the bike“) treffen. Kurz hinter der Grenze verfahren wir uns und finden uns auf dem Land wieder. Hier scheint die Zeit still zu stehen und das schon seit den 60er Jahren. Ich meine ich kann mir so erstmal kein Urteil über die fünfziger machen denn da zu dieser Zeit waren wir noch nicht mal geplant und unsere Eltern noch jung, aber dennoch stelle ich mir die Fünfziger genau so vor. Nur mit weniger Müll, Autos und ohne Telefon. Der Pferde- oder Eselskarren ist noch immer ein beliebtes Fortbewegungsmittel und jeder hat hier noch seinen eigenes Gärtlein und einen Brunnen im Hof. Die Menschen haben noch Zeit und neben fast jedem Gartentor findet man eine Bank, die mindestens drei Personen Platz zum Reden, Schweigen und Betrachten der Straße bietet. Kaum sind wir im Einzugsgebiet der Hauptstadt ist diese Romantik jedoch schnell verflogen und dem Industrie- und Verkehrschaos gewichen. Bukarest ist riesig groß und wir verlieren uns erstmal im allabendlichen Feierabendstau. 

Wir lernen hier Mihais Freundin und seinen Freund Alex kennen. Alex war auch mit dem Motorrad in der Mongolei, hatte jedoch eine größere Reparatur an seiner Maschine und so sind wir ihm nicht in Ulan Bataar begegnet. Wir verbringen drei Tage bei Alex und schauen uns die Sehenswürdigkeiten und auch die Hässlichkeiten der Stadt an. In der Amtszeit des rumänischen Diktators Nicolae Ceausescu wurden weiträumig historische Stadtviertel zerstört. Er wollte eine noch schönere Promenade als die Champs eliseé in Paris schaffen. Auch der Regierungspalast ist ein Monument für sich. Der Straßenzug sowie der Palast wurden jedoch nie wirklich fertig gestellt denn durch die Revolution wurde dieser gelegentlich als größenwahnsinnig bezeichneter Mensch seines Amtes enthoben und damit ein Baustopp hervorgerufen. Die Altstadt oder besser gesagt was davon übrig ist, ist jedoch sehr eindrucksvoll und birgt eine spannende und oft sehr verspielte Architektur die zum Schlendern einlädt. In Alex Küche finden wir seit längerem wieder mal einen Backofen und so gibt es Ofenkartoffeln mit Schafskäse. Im Auto müssen wir auf solche Leckereien ja leider verzichten.

Es dauert nach unserer Abreise bei Alex und Mihai nicht lange und wir stehen wieder einmal vor einer Grenze. Um jedoch auf die andere Seite des Flusses zu gelangen müssen wir noch 18$ Brückentax zahlen. Das Geld war die Überfahrt nicht wert denn die Brücke befindet sich in einem schlechten Zustand und zu sehen gibt’s außer braunem Wasser auch nix. Aber auf der anderen Seite sind wir dann wenigstens.

      

November 2009