Gruezi wohl mittanand

 

 

Europäische Grenzübergänge sind so unkompliziert dass wir vom italienischen Zöllner verabschiedet werden, uns aber kein schweizer empfängt. Wo gibt’s denn sowas? Inzwischen lieben wir´s doch auch ein wenig langwieriger und komplizierter. Wir benötigen für unseren Bus diesmal ein spezielles Dokument, da wir in die Rubrik Schwerlastverkehr fallen. Also „bitte wenden“, zurück nach Italien und noch einmal an die schweizer  Grenze.

Mit den nötigen Papieren geht’s dann weiter durch das Land der Berge und Seen. Sauber. Nein sehr sauber ist hier alles. Geordnet und geregelt wie wir es gar nicht mehr gewohnt sind. Wir kommen uns sogar ein bisschen schäbig vor.  Mal eben hintern Busch  (hier gibt´s grad nur  Schneeberge) verschwinden, trauen wir uns gar nicht.  Einen nach schweizer Norm mit Heuballen bepackten LKW begutachten wir staunend. Im Hinterkopf haben wir die Bilder von den überladenen kirgisisch-usbekisch-russischen Heulastern und  wir müssen lachen. Wie verschieden sind doch die Länder, Normen, Mentalitäten. 

Eine kleine Rast am Vierwaldstätter See gönnen wir uns trotz Parkplatzmangel dennoch. Einem ganz neugierigen Pärchen denen unser „Nachkriegsmodellbuschen“ aufgefallen ist erzählen wir von unserer Reise. Unter anderem beteuern wir, dass wir mit unserem  Gefährt, bis auf wenige Ausnahmen keine großen  Schwierigkeiten hatten. Doch kaum unterwegs in Richtung Zürich streikt die Karre direkt hinter einer Kurve vor einem einspurigen  Tunnel. Der schlechte Diesel und der mongolische Sand im Tank macht uns und dem Dieselfilter zu schaffen. Also Annette zieht vorschriftsmäßig das Tarn- äh Warnwestchen an und zieht los das vorschriftsmäßige Warndreieck aufzustellen. Schweizer sind ja vielleicht eigen aber so eigensinnig und ignorant hätte ich dieses Völkchen nun nicht erwartet. Da fühlt man sich aber im Straßenverkehr von  Teheran, Ulan Baatar oder Athen sicherer als hier. Nachdem alle Brummi und Autofahrer mit Tempo 70 ungläubig auf Warnweste und das Warndreieck stieren,  ohne vom Gas zu gehen, kann man dann Sekunden später quietschende Reifen hören. Basti versucht lebensmüde bei dem Gedrängel noch etwas frischen Diesel einzufüllen um den Sand vom Filter zu spülen.  Wir hatten Glück, der Motor zog wieder Sprit an und mit der schnell eingetroffenen Gendarmerie bekamen wir noch Begleitschutz bis zum nächsten Parkplatz. Bei der Nachfrage, ob es in der Schweiz nicht üblich sei ein Warndreieck aufzustellen oder ob es geschickter wäre sich nackt auszuziehen, um die anderen Verkehrsteilnehmer auf sich aufmerksam zu machen haben die zwei Polizisten nur lachend abgewinkt. Unfäll git’s in der Schwitz wohl nit! Wir wechseln noch den Dieselfilter unter den neugierigen Blicken der Anwohner und setzen unseren Weg fort.

Bis wir bei unseren Freunden ankommen vergehen aber och ein paar Stündli. In der Dämmerung, bei so dichter Besiedelung und den für Basti unverständlichen Wegbeschreibungen brauchen wir ewig. “Jo kruzig do ene abe rechts umme uffe bisch gli do muesch no dört si.gruezi wohl.“Sprachlos guckt mich Basti an und schüttelt nur noch fragend den Kopf. Wir finden den schönen im Tiefschnee versteckten Triemenhof dennoch und freuen uns auf ein Wiedersehen und den warmen Ofen. Wir alle haben viel zu berichten, zu lachen und leckere Sachen zu kochen. Hokkaidokkürbis (von dem schon in mongolischen Nächten geträumt wurde)und der von der Salatkönigin Frieda gerupfte Salat schmecken besonders gut. Nach zwei Tagen Köstlichkeiten (die nächsten werden dann nur noch in Gedanken zubereitet und verspeist)verabschieden wir uns von Menschen, Hühnern, Ziegen, Kühen, Pferd, Esel, Katz und …….

….und beschreiten eine der schwersten Etappen auf unserer Reise, die Heimreise. Mit einem lachenden und drei weinenden Augen fahren wir  dem schönen, aber eisekalten  Markgräflerland im Süden Deutschlands entgegen.

Februar 2010