Slowenien

Živjo

 

So sagt man hier in Slowenien wenn man sich begegnet. Und heute sind wir so manchen Leuten begegnet. Alle im totalen Fitness-Wahn. Wir wollten eine auf ca. 650 Meter Höhe angelegte Kirche besichtigen und schon beim Aufstieg fielen uns die überaus fitten und flinken Rentner auf die uns scharenweise überholten. Der Weg war nicht besonders gut zu begehen, es ging steil bergan und stellenweise handelte es sich mehr um klettern als um wandern. Davon haben diese Leute hier vermutlich noch nie was gehört. Hier ist man in schicke Freizeitsportbekleidung gehüllt und mit zwei Nordic-Walking- Stöcken ausgestattet. So, und nur so tritt man den Aufstieg an. Mit schnellem Schritt ohne viel Wanderbegeisterung und Zeit für die geniale Aussicht wird hier auf den Berg gerannt was das Zeug hält. Runter geht´s dann ebenfalls mit schnellen, federleichten Schritten. Und das Schlimmste … wir wurden von einem älteren Herrn, so um die 65 vielleicht, regelrecht überrundet. Waren wir gerade am Abstieg war der Gute schon beim zweiten Aufstieg…Was soll uns das bloß sagen…?

 

Aber nichts desto Trotz, der Ausblick war überragend. Zu unseren Füßen die Save, Ljubljana und das frische, blumige Grün. Im Hintergrund die Julischen Alpen sowie die Karawanken. Herrlich sonniges Wetter. Was will man mehr?

Unter Slowenien hab ich mir immer ein verträumtes Land mit Bergen, altertümlichen Häuschen und Fahrzeugen vorgestellt. Ein gemütliches und unkompliziertes Land. Die Berge sind auch wirklich atemberaubend aber der Rest ist eher das Gegenteil. Dieses verträumte und verschlafene Slowenien findet man nur in kleinen Bruchstücken wieder, wenn man mal etwas weiter von einer größeren Straße entfernt unterwegs ist. Neubauten und Neuwagen hingegen sind hier Standard. Und es werden nicht einfach nur Häuser gebaut, wenn gebaut wird dann aber richtig. Ich hab noch nie so viele neue und aufwändige Häuser gesehen wie hier. Auch wenn man einkaufen will bekommt man den Bau-Wahn zu spüren. Da ist nichts mehr mit dem kleinen Lädchen um die Ecke oder gar einem Bäcker im Ort, da gibt es meist am Ende der Stadt oder Siedlung einen s.g. City Park. Fast so groß wie ich mir die kleinen verträumten Dörfchen vorgestellt hatte.

Es ist ohne Frage ein wunderschönes Land, aber ob alles so gut ist, was hier in rasender Geschwindigkeit passiert…….?

Andererseits kann man sich an den Burgen und Schlösschen, Klöstern und Kapellen kaum sattsehen, die überall in den auf Hügeln und in Tälern auftauchen. Überall gibt es gut ausgebaute Wanderrouten, die mit Sicherheit gut zu begehen sind. Wenn man nicht gerade wie wir der schönsten Markierung blindlings folgt, um dann Stunden später festzustellen, dass es sich wohl um einen Fernwanderweg, und nicht wie anfangs gehofft um einen Rundwanderweg handelt. Zum Glück gibt es nette Slowenen, die einem kurz vor Anbruch der Dunkelheit und Ausbruch eines Regenschauers mitteilen, dass der Rückweg mindesten noch 13km beträgt. Hvala, Hvala wir sind heile wieder in unserem kleinen Reich angekommen.

Es ist ohne Frage ein wunderschönes Land, aber ob das alles so gut ist was hier passiert? Bzw. in welcher Geschwindigkeit das hier geschieht?

März 2009