Hos geldiniz Türkye!

neues Land neues Glück…

Wir sind kaum über die Grenze da fahren wir an einer dieser „Plandörfer“ vorbei. Die Menschen sollen nicht mehr in ihren Hütten wohnen sondern in „modernen Hochhäusern“. Es sieht irgendwie deplatziert aus.

Unser erstes Nachtlager am Meer wird zu Beginn von lauter Musik untermalt aber als der Muezin vom Minarett zu Hören ist verstummt diese und wir genießen ab jetzt eine ruhige Nacht. Als wir morgens aus dem Auto schauen sind wir erst etwas überrascht von dem Anblick der sich uns bietet. Wir blicken auf einige Frauen die in einer Art Fitnessstudio im Freien, an den Geräten wie wild trainieren oder besser gesagt es versuchen. Diese Geräte stehen wie in Deutschland die Kinderspielplätze an allen möglichen Orten. So auch an unserem nächsten Halt, am Strand von Istanbul (oder sollen wir lieber Konstantinopel sagen?). Hier besuchen wir Sultanahmet Camii auch „die blaue Moschee“ genannt, die Hagia Sophia „die heilige Weisheit“ und viele weitere historische Bauten. Am ersten Tag haben wir noch etwas mit dem Touridasein zu kämpfen, aber nachdem wir uns damit abgefunden haben dass es hier kaum anders möglich ist sich unbemerkt zu bewegen stürzen wir uns in das Getümmel und versuchen nur das zu sehen was wir wollen…Das gelingt uns am besten im großen Basar und auf dem ägyptischen Basar wo tausend und noch mehr Menschen verkaufen, feilschen, handeln, einkaufen, tragen, schleppen oder den Tag genießen.

Da wir nicht so recht wissen wie die Straßenverhältnisse so weitergehen und uns der Einreisetermin  für den Iran uns im Nacken sitzt, beschließen wir das Mittelmeer „rechts“ und das schwarze Meer „links“ liegen zu lassen. Die Befürchtung nun nichts von der Türkei zu sehen außer die Nationalstraße erfüllt sich zum Glück nicht. Das Landesinnere ist sehr spannend und die Menschen nicht nur überaus freundlich sondern auch sehr hilfsbereit und vermutlich 90% ihres Lebens mit Tee trinken oder Tee zubereiten beschäftigt. Egal wo wir auftauchen und die Tür vom Bus öffnen werden wir zum Tee eingeladen. Zunächst erst einmal eine willkommene Abwechslung bei den zum Teil sehr schlechten Straßenverhältnissen.  Wir wurden ja hinreichend vor den albanischen Straßen gewarnt aber vor den türkischen war nie die Rede. Die haben in etwa denselben Schlaglochabstand aber um es noch etwas spannender zu machen gibt es Spurrinnen die einfach nur schrecklich sind.  Vermutlich scheinen die LKW´s  hier ihre Spuren in den im Sommer aufgeheizten Teer zu hinterlassen.

Unser Weg wird begleitet von zahlreichen sehr netten und schönen Begegnungen. Fast täglich treffen wir auf jemanden der uns mit „Hallo wie geht es euch?“ begrüßt. Es sind Menschen die meist schon vor längerer Zeit aus Deutschland zurück in die Türkei gegangen sind. Uns wird es immer wieder klar wie schwer es Ausländer in Deutschland haben. In ein Land zu kommen dessen Sprache man nicht oder nicht richtig versteht ist ja schon schwierig aber dazu auch noch eine völlig andere Kultur und dessen Werte und Eigenheiten mit zu erlernen ist sehr sehr schwierig. Die Ständige Frage ob wir verheiratet sind bejahen wir nach dem dritten Tag, was uns sehr viele weitere Fragen erspart und uns so manche Tür öffnet.

Wir sind zum Teil mit der Gastfreundschaft und den ganzen Einladungen sogar etwas überfordert und genießen es um so mehr  einfach mal einige Zeit nur zu zweit zu haben. Die Einladung in ein ca. 45-50°C heißes Thermalbad mit anschließendem Grill-Menü im Park wird uns wohl noch lange in Erinnerung bleiben.

Bekanntschaft mit der türkischen Militärpolizei durften wir dann nach halber Strecke auch mal machen. Wir standen mit unserem eigentlich „recht unauffälligem“ Fahrzeug anscheinend direkt neben einem Staatsgelände und so klopften nach kurzer Zeit zwei Beamte an die Tür… . Einen Kaffee später waren wir dann mit eben diesen auf Ersatzteilsuche in der Stadt. Dank google hatten wir einiges zu Lachen denn der Übersetzer funktioniert eben nur Wort für Wort und sollte man doch mal einen ganzen Satz eingegeben haben so kommt meist was recht suspektes heraus. „ Schere sind wichtig Reparatur machen“ soll heißen  „die Blattfedern sollten erneuert werden“.Wir wollen jedoch nur die Stoßdämpfer prüfen lassen. Das passiert schnell und das Ergebnis ist negativ. Stoßdämpfer sind noch heile liegt also eher an der Strecke?!

Erst in Ost Anatolien, auch bekannt als Kurdistan, lässt das regelmäßige Einladen nach. Was nicht heißen soll dass hier die Gastfreundschaft kleiner geschrieben wird als zuvor. Es ist einfacher sich zu bewegen ohne gleich vereinnahmt zu werden. Spricht man jemanden an oder hat eine Frage so kann man jedoch mit Sicherheit mit einer Einladung zum Cay rechnen.

Was uns weiterhin Sorgen bereitet ist die Tatsache von Land zu Land stets neue und super leckere kulinarische Köstlichkeiten zu bekommen (mit Abnehmen ist da wohl nix drin). Was in Deutschland als Kebap, Lamatchun oder Köfte verkauft wird würde hier wohl nach dem ersten Bissen wieder hinter den Tresen fliegen mit der Absicht den Verkäufer, dieser Scheußlichkeit, zu treffen. Wir werden wohl noch mal richtige Fleischfresser. Aber ohne Schwein ist es eben um einiges einfacher was zu versuchen.

Nach weiter Strecke und durch die hier sehr hohen Dieselkosten (umgerechnet bis zu 1.45€/Liter) geschmälertem Budget treffen wir im Kurdengebiet nahe der Iranischen Grenze auf einige Deutsche.

Dogubayazit ist die letzte Stadt vor der Grenze. Am Fuße des Ararat gelegen, ein zu empfehlender Ort. Hier steht nicht nur das „türkisch Schloss Neuschwanstein“ sondern es gibt auch hier wieder heiße Quellen und den (unter Vorbehalt) zweitgrößten Meteorkrater der Welt. Die Arche ist wohl auch hier zu finden aber wir sind dann doch dran vorbei gefahren.

Es werden zahlreiche Informationen ausgetauscht, Vorhänge für den E-Klasse Kombi von Matthias genäht, ein Laptop repariert  und viele lustige Stunden im Gespräch verbracht. Wir merken nach dem zweiten Tag erst wie müde und erschöpft wir sind und beschließen die nächsten zwei Tage auch nochmal hier zu bleiben. Da hier ein reges Kommen und Gehen der Iran Touristen stattfindet ist es ein idealer Ort um sich auf das nächste Land einzustimmen.

 

Mai 2009