Wüstenwelt Turkmenistan

 

Kaum sind wir über der Grenze finden wir die Nationalfarben auf den Wiesen wieder. Noch im Iran waren auf wir an endlosen mohnbewachsenen Feldern entlang gekommen. Hier kommen dann noch gelbe Pflanzen dazu. Die ersten Schildkröten sind hier schon unterwegs und genießen vermutlich die Einsamkeit hier Oben.

Nach einer Stunde Fahrt und nur zwei Kontrollen treffen wir in Ashgabat  ein. Es ist unglaublich wie anders hier gleich alles wieder ist. Wir treffen auf riesige weiße Gebäude, Wasserspiele, Parks, Alleen und gehen auf dem wohl saubersten Boden ganz Vorderasiens. Hier ist kaum ein Stäubchen zu finden und die Präsenz der Polizei und des Militärs ist allgegenwärtig. Wir hatten bereits im Vorfeld gelesen das Turkmenistan einen großen Teil zur Austrocknung des Aralsees beiträgt. Im Laufe der Durchquerung des Landes von Süden nach Norden können wir uns das immer besser vorstellen. Die einstige Wüstenlandschaft wird durch viele Wasserkanäle und Pumpstationen die sich auf riesigen Flächen ergießen, bewässert und damit fruchtbar gemacht.

 

 

Da wir den Weg durch die Wüste Karakum gewählt haben und nur anhand von Erzählungen die Strecke einschätzen müssen entscheiden wir uns für eine schnelle Durchquerung. Uns wurde gesagt, dass die Strecke nur zur Hälfte ausgebaut ist. So haben wir zwei Tage eingeplant. Entgegen dieser Erwartung finden wir eine „gut ausgebaute Straße“ vor, die sich durch die Hitze zwar unter uns wie Butter verformt, aber dennoch gut befahrbar ist. Erst die letzten 70 Km werden dann die Hölle. Würden wir alle durchfahrenen Schlaglöcher zusammenzählen, hätten wir auf diesem Abschnitt mindestens 1000 Höhenmeter zurückgelegt. Es war stellenweise einfacher und angenehmer neben der Straße zu fahren. Tankstellen gibt es auf der 430 Km langen Strecke zwischen Ashgabat und Keneurgench keine. Durchfahrtskontrollen sogar nur zwei. Uns wurde immer von den Kontrollposten erzählt, die alle paar Kilometer auftauchen und das Vorwärtskommen behindern. Aber vermutlich sind diese eher auf der Strecke von Ashgabat nach Turkmenabat zu finden.

Dafür bekommen wir etwas Abwechslung hinsichtlich der Tierwelt. Die ersten Kamele und Rennechsen kreuzen die Straße und es sollen noch einige weitere kommen. Und es ist unerträglich heiß. Die Sonne bruzzelt ohne Erbarmen auf uns nieder.

Die Fortbewegungsmittel erstrecken sich hier vom Esel über die gute alte MZ (Motorrad), alles war in Russland je hergestellt wurde und mehr oder weniger zum Fahren geeignet ist und Opel. Der Opel Vectra scheint hier sein Comeback zu feiern. Er ist überall zu finden und oft genug finden wir hier noch die grüne Feinstaubplakette oder das D am Heck. Ob die Autos wirklich abgewrackt wurden oder nicht doch einfach gen Osten gekarrt wurden werden wir wohl nie erfahren.

Die hier vorherrschende Mode erinnert ein wenig an die Südafrikas. Lange dünne und bunt gemusterte Kleider mit leuchtenden Farben werden hier von den Damen getragen. Die Herren der Schöpfung sind  meist mit Hemd Hose und Hut unterwegs, einige von ihnen erinnern uns schon an Dschingis Kahn. Mit langen dünnen Gewändern einer Pelzmütze und prächtigen Ziegenbärten versetzen sie uns immer wieder in alte und vergessene Zeiten.

Der Bazar in Keneurgench ist eine märchenhafte sowie farbenfrohe Welt und der Zwiebelbrotfladen schmeckt warm sooooo wunderbar lecker dass wir direkt zwei davon kaufen müssen.

Wir nutzen die gewonnene Zeit und schreiben die Berichte der vergangenen Tage und Ruhen uns aus. Nebenbei machen wir eine kleine Siteseeing-Tour auf dem Museumsgelände von Keneurgench.

Mit unseren paar Brocken Russisch kommen wir mehr schlecht als recht aus, aber wir und die netten Menschen, die wir treffen haben immer was zu lachen. Einfallsreichtum in Sachen Pantomime ist gefragt. So auch wieder beim Grenzübertritt nach nur fünf Tagen Transit in Turkmenistan.

Mai - Juni 2009