Usbekistan

Nach einer Nacht im „Niemandsland“, unser Visum für Turkmenistan ist abgelaufen und dass für Usbekistan beginnt erst am nächsten Tag, geht es ins nächste Land. Wir wurden morgens bereits von einem der Grenzbeamten geweckt und bekommen zwei frische „Sumsa´s“. Das sind Teigtaschen mit Fleischfüllung. Genau das Richtige für uns zum Frühstück. Als dann unsere ca. vier stündige Zollabfertigung vorüber ist dürfen wir endlich unsere Fahrt fortsetzen. Es geht zunächst nach Nukus. Es ist wieder mal Geld wechseln angesagt. Einen besseren Wechselkurs als auf der Bank gibt es auf dem Bazar. Der Kurs ist (stand 30.05.09) 1$=1800 Sum (in der Bank nur 1500 Sum)

Eine erste Hotelübernachtung steht an, da wir eine Registrierung benötigen. Hier treffen wir wieder auf Mark, einen irischen Weltenbummler der mit dem Fahrrad die Welt umrunden möchte. Nach einigen Piva´s (Bier) ist es dann beschlossene Sache, Annette fährt bis Chiwa mit dem Fahrrad mit. Ich mache den Backpacker und warte alle 30-50Km mit Kaffee, Tee und Keksen. Abends wird noch gekocht und Mark freut sich über gekühltes Bier. Die Freude 2 ½ Tage 200km durch die Wüste zu radeln trösten über den schmerzenden Popo hinweg. Die Fortbewegung ist gänzlich eine andere. Mann nimmt die Menschen, die Temperaturen, den bis auf die Socken nassmachenden Wüstenregen(was für ein Segen!) viel stärker wahr. Auf diesem Weg haben wir dann auch erfahren welche Spuren unser nettes Gefährt so hinterlässt. Bei der Überquerung einer Behelfsbrücke, bestehend aus aneinandergereihten Schiffen, hatte es immer mal ziemlich hässliche Geräusche unter dem Wagen gemacht und die eine oder andere Niete ist durch die Gegend geflogen. Als dann Annette und Mark ca. eine Stunde später dieselbe Brücke überquerten waren dann einige Schweißarbeiten im Gange…

Auf dem Weg nach Bukhara mache ich dann noch ein kleines Wettrennen mit einem Kamel. Wer gewonnen hat ist fast klar…

Passend zu Annettes Geburtstag  sind zusammen mit Comilla, die wir in Nukus kennengelernt haben, bei deren Freundin Rahima eingeladen. Es gibt Usbekisches Essen und grünen Tee.  Manchmal ist es so schwierig sich mit anderen zu verständigen und manchmal genügen die paar Worte Englisch dann eben doch aus um sich zu unterhalten. In Verbindung mit unseren kargen Russischkenntnissen gibt es dann auch immer wieder etwas zu Lachen. Den Kindern ist es egal welche Sprache man spricht, spielen kann man in allen Sprachen.

Probleme mit der Polizei haben wir dann eines schönen Abends auch noch. Ein auf usbekisch geschriebenes Schild soll hier auf ein Sperrgebiet (oder was auch immer es war) hinweisen. Es war zudem so unscheinbar das wir es nicht einmal bemerkt haben. Aber kaum stehen wir schon sind zwei Polizisten aus dem Boden gewachsen. Nach einiger Zeit und dem Versuch ihm verständlich zu machen dass wir kein usbekisch verstehen lassen sie uns dann unverrichteter Dinge ziehen. So sind wir dann wieder mal um eine ruhige Nacht gekommen.  Es ist immer wieder das selbe Spiel. Wir verstehen kein Wort und die Tatsache diesen Satz oder das Wort immer wieder zu wiederholen und dabei immer lauter zu werden, hilft uns beim Verstehen auch nicht wirklich weiter.                                                                          Ich hoffe mich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen wenn ich behaupte, dass ein albanischer Feldweg mehr Fahrkomfort bietet als die Autobahn zwischen Bukhara und Samarkand. Es ist ein ständiges Geschüttele und Gepoltere. Auf zweihundert Meter gute folgen meist 700 Meter miserable Straße. Unbeirrt von den grabentiefen Spurrillen und den riesigen Löchern fahren hier die Überlandbusse mit knappen 90 km/h, wir hingegen sind im Zick Zack  - Kurs um die Schlaglöcher mit knappen 50 unterwegs.

 

 

Die ganze Schönheit von Samarkant können wir schon gar nicht mehr aufnehmen. Beeindruckende Denkmäler vergangener Zeiten stehen hier und werden immer wieder aufs Neue zum Leben erweckt. Was uns hier immer wieder ins Auge sticht sind die in diesem Umfeld grotesk wirkenden architektonischen Hinterlassenschaften der Sowjetunion. Der Kontrast zwischen dem Moscheen, Medressen und den sog. Prachtbauten ist einfach zu groß. Wenn so verschiedene Kulturen aufeinandertreffen bleibt das vermutlich nicht aus. Bei den Menschen kann man hier recht schnell die eigentliche Herkunft erkennen. Sie haben sich wohl einst im Zuge der ganzen Völkerbewegungen aus Russland, Süd-Ost Asien oder aus den persischen Gebieten hier in Zentralasien niedergelassen.

Es ist mittlerweile ziemlich anstrengend hier zu reisen. Man wird eigentlich überall angesprochen. Leider all zu oft ohne eigentliches Interesse. Wir sind daher immer wieder dankbar um einen Platz in der schönen Natur, an dem wir mal ungestört die Türen offen lassen können oder auch nur mal sowas profanes wie Wäsche oder Haare waschen können, ohne in Gespräche verwickelt zu werden bei denen beide bis auf zwei drei Worte eigentlich nichts voneinander verstehen.

In der Hauptstadt Tashkent haben wir so etwas wie einen Sechser im Lotto. In Deutschland hatten wir mit Ibrohim, einem usbekischen Studenten ein wenig Russisch gelernt.  Da er aber noch in Deutschland ist und erst in einem Monat zurück nach Usbekistan kommt, müssen wir alleine diese fünfmillionen Stadt erkunden.

Bei einer dieser Erkundungstouren wollen wir noch schnell etwas einkaufen und parken gerade neben einem Laden. Noch nicht richtig im Geschäft kommt Annette und sagt dass unsere Karre weg muss. Der Grund ist die Sicherheit des usbekischen Präsidenten. Dieser fährt wie wir später erfahren sollen, allabendlich dieselbe Strecke durch die Stadt (man erkennt es am Ausbleiben der Löchern im Straßenbelag). Nach kurzen Verhandlungen mit dem Polizist dürfen wir uns dann hinter den Laden stellen und unseren Einkauf zu Ende bringen. Bei dieser Gelegenheit werden wir von einem jungen Mann in fließendem deutsch angesprochen. Nach einigen Minuten stellen sich heraus, daß es sich um einen Freund und Studienkollegen von Ibrohim handelt. Wir freuen uns riesig über jemanden der uns in dieser Stadt weiterhelfen kann. Die Beschaffung der kirgisischen Visa geht zwar schnell und verhältnismäßig unkompliziert, ist jedoch nervenaufreibend genug. Vor dem Konsulat treffen wir dann auf eine Schweizer Familie mit drei Kindern. Sie wollen auch nach Kirgisien und suchen noch einen Stellplatz für die Nacht. In den nächsten Tagen verbringen wir viel Zeit gemeinsam und führen Sylvain in die Welt des Skypens ein. Wenige Stunden später sitzt er in unserem Bus (denn hier gibt es W-LAN…) und telefoniert mit seinen Verwandten.   

 

Einen Besuch im Theater lassen wir uns nicht entgehen und wir kommen in den Genuss der Balletvorstellung, „Tausend und eine Nacht“. Wo man orientalische Klänge erwartet findet man jedoch den deutlichen Grundton der russischen Komponisten wieder, was der Vorstellung jedoch nicht schadet. Die zwei Stunden vergehen wie im Fluge und wir sind wie verzaubert.

Am Wochenende haben wir uns dann mit Akram (dem Studenten hier in Taschkent) zum Besuch bei seinen Eltern verabredet. Nach der vierstündigen Fahrt in die Berge westlich von Sarmakant, werden wir in seinem Elternhaus von einer ganzen Delegation von Familienmitgliedern und Nachbarn in Empfang genommen. Es gibt das Nationalgericht „Plov“ Reis mit etwas Gemüse und Fleisch. Angeblich sind wir die ersten Europäer die dieses Dörfchen besuchen. Für uns ist es eine große Ehre hier als  Gäste eingeladen zu sein. Das wir jedoch in unserem Bus schlafen wollen ist zunächst ungewohnt, denn Wohnmobile sind hier noch recht unbekannt. Zusammen spielen wir Volleyball und erkunden den Fluss mit der selbstgebauten abenteuerlich anmutenden Brücke. Bevor wir jedoch den Weg zur Hauptstadt antreten, machen wir noch Halt an einem „Erholungsort“ inmitten der Berge. Es ist ein heiliger Ort, mit einer Quelle, in deren anschließenden Teichen tausende von vermutlich Forellen leben. Jedoch „ Angeln verboten“ wegen der Heiligkeit. Hier erholen sich vermutlich gerade alle Menschen aus der näheren Umgebung, denn es ist die Hölle los. Mit einem Picknick im deutschen Sinne nicht vergleichbar, ist hier alles zu finden was auch sonst so auf den Tisch kommt. Die Reste sind für die jetzt schon dicken Heiligkeiten.

Zurück in Taschkent bereiten wir uns auf die  Weiterfahrt nach Bischkek in Kirgisien vor. Da es kaum Informationen über den derzeitigen Stand an den Grenzübergängen gibt wollen wir etwas früher vor Ort sein um im schlimmsten Fall zurück nach Taschkent fahren zu können. Ende Mai kam es an einem Grenzübergang zu Kirgisien zu einem Bombenanschlag und somit sind die Grenzen angeblich geschlossen. Nach einem Telefonat mit dem Usbekischen Innenministerium wird diese Info leider auch noch bestätigt und wir bekommen den Tipp zu fliegen. Wir lehnen dankend ab da es vermutlich gerade keinen Stellplatz für unser Gefährt an Bord gibt. Wir fahren also einfach drauf los und wollen die einzelnen Grenzübergänge abklappern. Beim zweiten sollten wir dann auch schon Glück haben und wir bekommen gesagt, dass wir hier ausreisen können. Also nur noch bis zum nächsten Tag warten und dann kann´s weitergehen…denken wir… .

Wir suchen uns ein schattiges Plätzchen zum entspannen, bekommen die leckersten Aprikosen unseres Lebens geschenkt, danach Äpfelchen und später folgen noch mehr Äpfelchen. Paradiesisch denken wir.

Ca. zwei Stunden nach dieser Guten Nachricht an der Grenze stehen dann drei Polizisten vor uns und bitten uns mit auf die Station zu folgen. Nach kurzer Zeit heißt es dann, wir hätten uns nicht im Land registrieren lassen und damit ein usbekisches Gesetz missachtet. Eine Million Usbekische Som sollen wir zahlen. Das ist zwar wenn man es umrechnet nicht ganz so viel wie es sich erstmal anhört aber eben zu viel für uns. (Umgerechnet ca. 500€.) Man droht uns mir Gefängnis wenn wir nicht zahlen wollen. Vier Stunden und einige Anrufe beim Konsulat später können wir dann wieder unserer Wege ziehen und es wird sich förmlichst Entschuldigt.

Es war spannend zu beobachten wie der oberste Polizeibeamte auf einmal kein russisch mehr verstehen konnte, als ein Mitarbeiter des Konsulats mit ihm reden wollte. Auf das Angebot, er könne auch mit einem usbekischen Stellvertreter sprechen, wollte er noch weniger eingehen und nach kurzen aufschreiben unserer gefahrenen Strecke und der Kopie der Landkarte war dann doch plötzlich alles wieder in Ordnung.

Die eigentliche Ausreise ging dann recht fix von statten, einige Formalitäten hin und her, ein kurzer Bick in den Wagen und schon stehen wir im Niemandsland vor der Kirgisischen Grenze.

  

 

Juni 2009